Geschichte

Von der gräflichen Wiese zur „Grünen Oase“

Was heute der einzigartige Erholungsort einer ständig in Bewegung stehenden Stadt ist, war einst nicht mehr als ein Grundstück mit der Absicht, den dort wohnenden Bürgern einen Rückzugsort vom Alltag zu bieten. Schaut man sich den Herzogenriedpark heute an, muss man gestehen: Dieses Vorhaben ist gelungen. Und wie wurde der Herzogenriedpark, was er heute ist?

Alles begann mit einem Auftrag…

Die Geschichte des Herzogenriedparks reicht zurück bis ins Jahr 1369. Hier war von einem „Park“ allerdings noch nicht die Rede; vielmehr stand der Name „Herzogenried“ (oder auch „Herrenried“) für ein Gelände im Sandgewann und wurde erstmals in einem Zinsbuch erwähnt. Dieses stellt dar, dass der Pfalzgraf „220 Morgen Wiesen an einem Stück besitze“ - der Name wurde bis heute beibehalten. Interesse weckte dieses Stück Land wieder im Jahr 1923. Die Stadt Mannheim erwarb das Gelände vom badischen Landesfiskus mit der Auflage, hier bis 1935 einen Park anzulegen, der als Rückzugsort und Erholungsstätte für die Bürger der Neckarstadt gelten soll. Dies war bis 1911 der Neckarpark, der dann allerdings an eine städtische Krankenhausanstalt übergeben wurde und nicht mehr der Öffentlichkeit zur Verfügung stand.

Von der Festwiese zum Versorger für harte Zeiten

Die 33 Hektar, die das Gelände zu dieser Zeit besaß, teilten sich anfangs auf 25 Hektar eigentliche Parkanlage und 8 Hektar Spiel- und Sportfläche auf. Nachdem 1928 bis 1932 der Boden mit Kalk behandelt wurde, konnte eine große Festwiese von vier Hektar angelegt werden. Außerdem sorgten einige Lindenalleen, drei Reihen weißblühender Kastanien um die Festwiese und etwa 5000 Bäume und 15000 Ziersträucher auf etwa 16 Hektar dafür, dass die Vorstellung eines Erholungs- und Freizeitparks immer mehr Gestalt annahm. 
1941 wurden die Grünflächen im Herzogenriedpark umgebrochen, um Gemüse anzubauen: Nahrungsmittel waren im zweiten Weltkrieg gerade in den Städten sehr knapp. Nach 1945 entwickelte sich aus den bewirtschafteten Flächen ein städtischer Schulgarten, der sehr beliebt war. 1959 entstand als „Erweiterung“ des Parks eine Kleingartenanlage mit 127 Kleingärten, deren Hauptwege auch für die Öffentlichkeit zugänglich waren.

Die „blühenden“ 70er: Mit der Bundesgartenschau 1975

Als dann gegen Ende der 60er Jahre der Entschluss fiel, sowohl im 27 Hektar großem Herzogenried- als auch im Luisenpark die Bundesgartenschau Mannheim 1975 durchzuführen, kam es ab 1972 zu Umgestaltungen: Im nördlichen Randbereich entstand die „Wohnbebauung Herzogenried“, im Park selbst wurden vielseitige Spiellandschaften für Kinder, eine Freizeitanlage für Jugendliche und Erwachsene, eine Minigolfanlage, eine Wasserfläche von 10 000 Quadratmetern sowie ein Kneippbecken geschaffen. Was die Freizeitgestaltung betrifft, blieben danach kaum Wünsche offen: ein Schachplatz, Tischtennis, Trampoline und Spritzpistolen – an vieles wurde gedacht und für Jedermann, ob groß, ob klein, war nun etwas dabei. Besonderer Anziehungspunkt wurde das 1500 Quadratmeter große Tiergehege. Heidschnucken, Hochlandrinder und Zackelschafe, braune Bergschafe, Esel und Wollschweine, Cröllwitzer Puten und Lachshühner hatten hier nun unter anderem ihr Wohl-fühl-Zuhause gefunden.
Als gärtnerischer Höhepunkt des Herzogenriedparks gilt bis heute das Rosarium, das, im Süden des Parks angelegt, mehr als 100 000 Rosen in etwa 130 Sorten vorweisen kann. Die daran anschließende Sonnenterasse mit Blick auf die Blumenhügel oder besonders im Frühjahr üppig blühende Bäume ergänzt den Rosenduft auf entspannte Weise: Diese Ecke des Parks ist nicht nur für Rosenfreunde, sondern auch für Romantiker und Ruhesuchende ein Muss.
Das größte Bauvorhaben der gesamten Bundesgartenschau stellte die Multihalle. Die neuartige und zugleich einzigartige Hallenkonstruktion in Leichtbauweise besticht durch ihr schalenförmiges Dach, das aus einem ein- und zweilagigen Gitter von verschraubten, bis zu 35 Meter langen Lattenhölzern und aus Kunststofffolie besteht. Die Multihalle beherbergt ein Café-Restaurant mit Biergarten und einen Veranstaltungs- und Ausstellungsbereich mit 2700 Quadratmetern Fläche.

Nach der BUGA: Ein Hoch auf die Leibesübung!

Auch nach der Bundesgartenschau kam es im Herzogenriedpark immer wieder zu kleinen und größeren Veränderungen. Seit neuestem macht der „grüne Bereich“ der Neckarstadt vor allem unter Anhängern des Freiluftsports von sich reden: Mit einer neue Boule-Anlage, Basketballfeldern, Tennisplätzen, einem Fußball-Rasen,  einer Aschenbahn mit Leichtathletik-Möglichkeiten wurde hier mit viel Sportsgeist und im Zeichen des Sportsgeistes eine Anlage geschaffen, die in der Region Ihresgleichen sucht. Die zehn modernen Fitnessgeräte unter freiem Himmel, die man alleine oder mit Sparringspartner nutzen kann, runden das Angebot des „Sportparks“ ab.
Auch in Sachen „Unterhaltungsprogramm“ ließ man keine Lücken aufkommen: Der Pavillon für Platzkonzerte, der in den Jahren um die Bundesgartenschau bei der Sonnenwiese errichtet wurde, musste 1988 der Konzertmuschel weichen, die mit 600 teilüberdachten Zuschauerplätzen dienen kann. Hier finden heute Tanzveranstaltungen, Theaterstücke für Groß und Klein, christliche Gottesdienste oder Konzerte statt.
Heute ist mit dem Herzogenriedpark auf 21 Hektar das Wirklichkeit geworden, was sich die Stadtväter 1923 als Ziel gesetzt haben. Die Bürger der Neckarstadt, und, mehr und mehr auch jene der umliegenden Stadtteile, freuen sich über Erholung, Entspannung und Sport inmitten der Natur!

 Foto: Stadtarchiv Mannheim