Der Bauerngarten

Tradition im Trend

Ein Bild geht um die Welt: Michelle Obama hält einen Spaten in der Hand und verkündet, dass im Garten des Weißen Hauses ab sofort Gemüse und Obst angebaut wird. Das erste früchtetragende Pflänzchen, das Frau Obama damit setzte, war ein Trend: Der Gemüsegarten am Haus schaffte es sogar auf die Dächer New Yorks! Das ist neu. Nicht neu ist der Bauerngarten im Herzogenriedpark. Doch was bedeutet eigentlich Bauerngarten? Kurz gesagt: Ein gelungener Mix aus Nutz- und Zierpflanzen. Helge Geißler ist der Mann, der im Herzogenriedpark für die richtige Mischung zuständig ist, sprich, den Bauerngarten „beackert“. Und zwar seit mehr als zehn Jahren!

Ein Garten mit Charakter…
„Eigentlich bin ich hier Baumpfleger und eher zufällig zu der Aufgabe gekommen“, erzählt er während er zunächst mit kritischem, dann zufriedenem Blick an den frisch bepflanzten Beeten entlang geht. Was er über Historie, Tradition und Eigenschaften eines Bauerngartens weiß, hat er sich alles „learning-by-doing“ draufgeschafft. „Ein ursprünglicher Bauerngarten hat drei ganz charakteristische Merkmale. Eine Einzäunung, eine zentral gelegene Wasserstelle und eine schematische, übersichtliche Anordnung der Beete. Der Zaun schützte vor den auf den Bauernhöfen frei laufenden Tieren. Der Brunnen in der Mitte des Nutzgartens ermöglichte der Bäuerin kürzeste Wege und die Ordnung der Beete ergibt sich aus den Wegen zwischen den Beeten, damit man Gemüse und Kräuter möglichst bequem erreichen konnte“, erklärt Geißler die klassische Architektur des Nutzgartens am Haus.

…und Schönheit
Im bäuerlichen Schaugarten des Herzogenriedparks, der im Stile der Renaissancegärten die größtenteils quadratischen Felder mit niedrig geschnittenem Buchs umgrenzt, muss man das nicht ganz so streng nehmen: Er dient vor allem informativen und pädagogischen Zwecken. Und auch ästhetischen: Kein Bauerngarten ohne ausdrucksstarke Blüten, Stauden und Zierpflanzen, die in lockerem Wuchs die strenge Ordnung romantisch unterbrechen.

…die ihren Nutzen hat
„Aber selbst die meisten Blumenarten, die in einem solchen Garten angepflanzt werden, haben neben ihrer Schönheit einen Nutzen. Nehmen wir zum Beispiel Ringelblume oder Malve“, fährt der 42-jährige Gärtner fort. „Eine Zeit lang hat ein Besucher ständig die Kapseln vom Schlafmohn hier abgeschnitten und mitgenommen. Also, wenn derjenige irgendeine Wirkung gespürt haben sollte, ist er einem Placebo-Effekt auf den Leim gegangen. Unser Mohn hier ist eine reine Zierform und ohne jegliche psychoaktiven Wirkstoffe.“ Seit ein Schild auf diese Tatsache hinweist, bleiben Helge Geißler die Kapseln mit den Samen, die er zum Nachziehen braucht, erhalten.

Auf dem Parkplan zu finden unter der Nummer  8.